LobbyistInnen-Büroeingange im Brüsseler EU-Viertel
"Meine Arbeitsweise steht im Kontext künstlerischer Feldforschung.
Die nächtlichen Untersuchungen in dem Medium der Malerei entstehen immer im direkten Umfeld zu den Orten, an denen ich mich jeweils aufhalte. Diese Herangehensweise hat auch einen performativen Aspekt: Gekleidet wie eine Obdachlose und mit Stirnlampe ziehe ich los, an den vorab recherchierten Ort, mit schwer beladener Sackkarre, um im Dunkeln, oder im Halbdunkel zu malen. Die Frage nach dem Wahrnehmbaren bestimmt meine nächtliche Recherche. Ich versuche Spezifiken nächtlicher Phänomene zu erkunden und lote dabei die visuellen Extreme von Licht zu Dunkelheit aus.
In Brüssel habe ich nachts an den Eingangsbereichen der Lobbyisten-Büros einen Lichtspott gesetzt. Der Taschenlampen-Lichtkegel wirkt als sei das Auge des Bildes. Das Bild blickt uns an und verspricht Aufschluss ... Das durch den Lichtspott sichtbar Gewordene ist ein Ausschnitt der Realität. Die Ausschnittwahl ist vergleichbar mit einem Close Up/ Nahausschnitt aus dem Filmbereich und führt zu einer partiellen Abstrahierung. Ein größerer Teil des Realen befindet sich im Schattenbereich, im Dunkeln und bleibt deswegen unerkannt.
Die Sichtbar- und Nichtsichtbarkeit sind auch auf das politische Tagesgeschehen übertragbar. Die LobbyistInnen der Großkonzerne, wie z. B. auch von Google, üben im Unsichtbaren ihre Macht auf die Europa-Politik aus. Wie viel kommt von den EU-Machenschaften ans Licht und was bleibt im Dunkeln ... ? Diese Fragestellung ist Ausgang für die Brüssel-Serie. Die Bilder erweitern als visuelle Metapher das real Gesehene. Das Sichtbare, beziehungsweise die Transparenz, sowie das Nichtsichtbare sind hier auf zwei Ebenen thematisiert. Dabei wird der Blick nicht entzwei getrennt. Oder eben doch ..."
Silke Silkeborg